Arbeitserziehungslager (AEL)

Arbeitserziehungslager (AEL) hat die Geheime Staatspolizei (Gestapo) ab März 1940 eingerichtet. In Arbeitserziehungslagern wurden widersetzliche, geflohene oder anders „auffällige“ Menschen für bis zu drei Monate einem extremen Arbeitsterror ausgesetzt – ohne dass vorher ein rechtliches Verfahren gegen die Inhaftierten stattgefunden hätte. Die Gestapo handelte oft auf Initiative von Unternehmen und Kommunen, die auf strenge Disziplinierung von „Arbeitsvertragsbrüchigen“ drängten. Historiker schätzen, dass bis 1945 insgesamt etwa 400.000 Zwangsarbeiter in Arbeitserziehungslager verschleppt wurden.

Die Haft- und Arbeitsbedingungen im AEL ähnelten denen im Konzentrationslager. Anders als die meisten KZ-Häftlinge sollten die Häftlinge im AEL aber nach einigen Wochen wieder an die vorherigen Orte ihrer Zwangsarbeit zurückkehren. Ihr Beispiel sollte andere Zwangsarbeiter abschrecken. Die voraussichtliche Rückkehr der Zwangsarbeiter an „ihren“ alten Arbeitsplatz lag auch im Interesse der privaten Betriebsleiter und Unternehmer. Eine Einweisung in ein Konzentrationslager hingegen hätte für einen Betrieb den dauerhaften Verlust dieses Zwangsarbeiters an die Arbeitsstätten in den KZs bedeutet, die der SS gehörten.

Anfangs wurden vor allem unangepasste Deutsche in die Arbeitserziehungslager eingewiesen. Mit dem Fortgang des Krieges brachte die Gestapo überwiegend osteuropäische zivile Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in diese Straflager – meistens wegen Fluchtversuchen oder „Bummelei“. Die lokale Polizei konnte selbst geringfügige Vergehen mit der Einweisung in ein AEL bestrafen.

Seit Dezember 1941 mussten Unternehmer für jeden von ihnen genutzten AEL-Häftling den Tariflohn für einen ungelernten Arbeiter zuzüglich 10 Prozent Abgabe an die Unfall- und Sozialversicherung an das Deutsche Reich überweisen. Die Häftlinge erhielten nur 50 Reichspfennige am Tag, der Rest des Lohnes wurde nicht an sie ausgezahlt.

Displaced Persons, DPs

Die Alliierten bezeichneten die von ihnen befreiten Zwangsarbeiter als „Displaced Persons“, deutsche Behörden sprachen von „Heimatlosen Ausländern“. Darunter verstand man Zivilpersonen und befreite Kriegsgefangene, die sich wegen Kriegseinwirkungen außerhalb der Grenzen ihres Herkunftslandes befanden. Diese mehr als 12 Millionen Menschen aus aller Welt stellten in den ersten Monaten und Jahren nach Kriegsende eine große humanitäre, politische und logistische Herausforderung für die Alliierten dar.

Nach ersten Tagen und Wochen des Chaos mit allgemein üblichen Plünderungen und dem „Organisieren“ von Lebensmitteln brachten die Alliierten die „entwurzelten“ Personen meist in DP-Camps unter, um von dort ihre Rückkehr in die jeweiligen Heimatländer (Repatriierung) oder eine Emigration vorzubereiten. Nicht nur die Mehrheit der überlebenden Juden, auch viele einstige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus den baltischen Staaten, aus der Sowjetunion oder aus Polen wollten nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren. Sie hatten dort ihre Familien verloren, fürchteten (zu Recht) antisemitische und politische Verfolgung und versuchten darum, sich durch Auswanderung einer Zwangs-Repatriierung zu entziehen.

Erst im Februar 1946 beschloss die UN, dass die DPs sich einer Repatriierung verweigern durften. Bis zu diesem Zeitpunkt waren allerdings bereits etwa 90 Prozent der ehemaligen westeuropäischen und polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Befreiten aus der Sowjetunion hingegen mussten „Filtrierungslager“ des NKWD durchlaufen. Vor allem die Männer wurden als vermeintliche Verräter politisch benachteiligt und verfolgt. Manche der jüdischen DPs harrten bis Mitte der 1950er Jahre in den Baracken einstiger NS-Lager aus, bis sie endlich die DP-Lager verlassen und aus Deutschland auswandern konnten.

Deutsche Flüchtlinge (nicht-jüdischer Herkunft) galten nicht als Displaced Persons.

Generalgouvernement

Das „Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete“ wurde nach dem Polenfeldzug Ende Oktober 1939 von den deutschen Besatzungsbehörden gebildet. Mit dem Generalgouvernement sollten jene von Deutschland besetzten Gebiete Zentralpolens umfasst werden, die nicht direkt in das Reichsgebiet eingegliedert wurden. Das Gebiet grenzte im Osten an die deutsch-sowjetische Teilungslinie, im Süden an Ungarn und die Slowakei, im Westen und Norden an alte und neu geschaffene Gebiete des Deutschen Reiches: die preußischen Provinzen Schlesien und Ostpreußen, das Protektorat Böhmen und Mähren sowie das Reichsgau.

Unter dem Generalgouverneur Hans Frank mit Sitz in Krakau sollte das Generalgouvernement „judenfrei“ gemacht und nach und nach „germanisiert“ werden. Die Nationalsozialisten wollten die polnische Bevölkerung als „führerloses Arbeitsvolk“ ausbeuten; das Generalgouvernement diente als Reservoir für Zwangsarbeiter. In diesem Gebiet ermordeten Deutsche Millionen europäischer Juden als auch Sinti und Roma, durch Razzien, Erschießungen, Zwangsarbeit, in Ghettos und in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibór, Treblinka und Majdanek.

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz lag in der westlich angrenzenden preußischen Provinz Oberschlesien.

Gestapo

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) war die politische Polizei im nationalsozialistischen Deutschland. Sie sollte systematisch die tatsächlichen und vermeintlichen politischen, „staatsgefährdenden“ Gegner der NS-Herrschaft überwachen, verfolgen und unterdrücken. Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter sowie andere Verdächtigte oder als „fremdvölkisch“ definierte Personen wurden von der Gestapo ohne richterliche Überprüfung in „Schutzhaft“ genommen, in Konzentrationslager eingeliefert, gefoltert und exekutiert. Unter Folter erzwangen Gestapobeamte Aussagen und Geständnisse und versuchten mit Terror jeden Widerstand im Reich und in den besetzten Gebieten zu unterbinden.

Im April 1933 richtete Hermann Göring als preußischer Innenminister das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapa) ein. Im Juni 1936 zentralisierte Heinrich Himmler als Chef der deutschen Polizei die verschiedenen politischen Polizeien der Länder reichsweit unter der preußischen Bezeichnung Gestapo. Ab September 1939 gehörte die Gestapo zur Sicherheitspolizei (Sipo) und war damit wichtiger Teilbereich des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).

1944 waren im gesamten Deutschen Reich nur etwa 32.000 Mann bei der Gestapo beschäftigt, die allerdings auf die bereitwillige Hilfe zahlreicher Spitzel und Denunzianten aus der deutschen „Volksgemeinschaft“ rechnen konnten. Mit der sich abzeichnenden Kriegsniederlage wurden auch „defätistische Ansichten“ unter Deutschen streng verfolgt.

1946 erklärten die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse die Gestapo neben der SS, der SA und anderen NS-Organisationen zur verbrecherischen Organisation.

Ghetto

Ghettos im Nationalsozialismus waren geschlossene Sammellager, in denen Juden, zum Teil auch Sinti und Roma, eingesperrt und für Deportationen konzentriert wurden. In vielen Ghettos wurden noch gesunde, „arbeitsfähige“ Juden sowie Sinti und Roma zur Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie gezwungen. Diese Zwangsarbeit verbesserte manchmal die Lebensbedingungen und schützte vor akuter Bedrohung, konnte aber die Deportation und Vernichtung der Juden durch die Deutschen in der Regel nur aufschieben, nicht verhindern.

Ab 1942 wurden Juden systematisch aus den Ghettos in Vernichtungslager deportiert. In einigen Ghettos – wie in Minsk, Riga, Mielec oder Warschau – wurden viele Bewohner vor Ort oder in der Nähe erschossen.

Im Unterschied zu anderen Methoden der gesellschaftlichen Exklusion und Konzentration – wie etwa durch Barackenlager – handelte es sich bei nationalsozialistischen Ghettos um abgeriegelte Teile von Dörfern oder kleineren und größeren Städten. Die meisten der etwa 1.000 Ghettos wurden zwischen 1940 und 1944 im besetzten Polen und in den eroberten Teilen der Sowjetunion eingerichtet. Offiziell galten sie als „jüdischer Wohnbezirk“. Ihre Geschichte ist in großen Teilen noch wenig erforscht.

Internationaler Suchdienst, International Tracing Service (ITS)

Der Internationale Suchdienst entstand aus der „International Refugee Organization“ und heißt seit Januar 1948 offiziell „International Tracing Service“ (ITS). Dieser Suchdienst übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Aufgabe, vermisste oder verschleppte nichtdeutsche Personen zu suchen und getrennte Familien zusammenzuführen.

Bis heute erteilt der ITS mit Hilfe seines Personendatenarchivs über mehr als 17 Millionen Menschen vor allem Auskünfte über ehemalige Häftlinge der Nationalsozialisten, deportierte Juden und Ausländer, die sich während des Zweiten Weltkrieges im Reichsgebiet aufhielten. Seit November 2007 sind die Dokumente in Bad Arolsen auch für historische Forschung zugänglich.

Conference on Material Claims against Germany (JCC)

Die 1951 gegründete Jewish Claims Conference on Material Claims against Germany, kurz: Jewish Claims Conference (JCC), ist ein Zusammenschluss jüdischer Organisationen der westlichen Welt. Die JCC mit Sitz in New York vertritt weltweit Entschädigungsansprüche jüdischer Verfolgter des Nationalsozialismus. Der jüdische Dachverband zählte zu den sieben auszahlungsberechtigten Partnerorganisationen der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und hat insgesamt 1,14 Milliarden Euro aus dem Stiftungsvermögen der EVZ an 159.000 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ausgezahlt (Zahlungen der Stiftung EVZ).

Konzentrationslager (KZ)

Bis zum Kriegsbeginn war Arbeit in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern vor allem eine Schikane der SS, die ökonomische Seite der Produktion blieb meist noch zweitrangig. Ab Ende 1942, als die KZs neu konzipiert und als wichtige Arbeitskraftreserve für die Rüstungsindustrie verstanden wurden, begann die SS ihre KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte an Unternehmen zu vermieten. Dafür wurden hunderte Nebenlager und Arbeitskommandos in der Nähe der Fabriken und Baustellen eingerichtet, in denen die KZ-Häftlinge unter besonders harten Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten.

Die Zahl der KZ-Häftlinge stieg von ca. 20.000 Menschen zum Kriegsbeginn 1939 auf 90.000 KZ-Häftlinge bis Ende 1942 und 700.000 bis Ende 1944. Im Sommer 1944 arbeiteten etwa 500.000 Häftlinge im KZ-System für die deutsche Rüstungsindustrie. Sie kamen ganz überwiegend aus den eroberten Ländern, vor allen aus Osteuropa. Für diese Form der Zwangsarbeit bestand ein besonders hohes Todesrisiko, viele starben an völliger Erschöpfung, Unterernährung, Epidemien und Hoffnungslosigkeit.

Die ersten Konzentrationslager wurden bereits unmittelbar nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten eingerichtet. Am 4. Februar 1933 war die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes“ erlassen worden. Sie erlaubte eine „Schutzhaft“ von bis zu drei Monaten, die in rasch improvisierten KZs vollzogen wurde. Diese frühen, „wilden“ Schutzhaftlager waren Terrorlager. Sie dienten der Einschüchterung deutscher politischer Gegner. Ende 1934 befanden sich noch etwa 3.000 Häftlinge in den damaligen KZs, die der SS unterstanden.

1936 wurde Heinrich Himmler, der Reichsführer der SS, zum Chef der deutschen Polizei ernannt. Er wollte an der Seite Adolf Hitlers eine radikale rassische Staatsordnung durchsetzen. Dazu ließ er viele kleinere Schutzhaftlager auflösen, das KZ Dachau ausbauen und 1937 die neu konzipierten, groß angelegten KZ Sachsenhausen und Buchenwald errichten. 1938 folgten Lager in Neuengamme, Flossenbürg und Mauthausen, 1939 das KZ Ravensbrück. In diesen großen Lagern wurden neben politischen Gegnern vor allem Männer und (in Ravensbrück) Frauen in „polizeiliche Vorbeugungshaft“ genommen, die nach rassebiologischen Kriterien ausgesucht worden waren. Sie wurden als „Gemeinschaftsfremde“ aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen, um eine „erbbiologisch gesunde“ Entwicklung des deutschen Volkes zu ermöglichen.

Diese „vorbeugende Verbrechensbekämpfung“ traf vor allem so genannte „Berufsverbrecher“ (mehrfach Vorbestrafte), „Asoziale“ (Wohnungslose, Bettler, Landstreicher, Alkoholkranke) und „Zigeuner“ (deutsche Sinti und Roma), die allesamt als „arbeitsscheu“ betrachtet wurden. Auch Homosexuelle und Zeugen Jehovas wurden in KZs verschleppt. Alle diese deutschen Bürger wurden ohne ein Rechtsverfahren verhaftet, waren der Willkür der SS ausgesetzt und wussten nicht, ob und wann sie wieder entlassen würden. Mit ihrer Arbeitskraft bauten sie die neuen Lager auf und aus, erweiterten das ältere KZ Dachau und etablierten vor allem viele SS-eigene Betriebe und Werkstätten in der Nähe der KZs.

Immer neue Verhaftungswellen der bereitwilligen Polizisten im Deutschen Reich ließen die Häftlingszahlen in den KZs rasch ansteigen. Nach dem „Anschluss“ von Österreich, den sudetendeutschen Gebieten und Teilen der Tschechoslowakei wurden auch Menschen aus diesen Regionen ins KZ Dachau verschleppt. Im Sommer 1939 gab es insgesamt etwa 20.000 KZ-Häftlinge. Nach Kriegsbeginn wurden unangepasste und missliebige Bewohner der neu eroberten und besetzten Gebiete deportiert. Dafür wurden noch einmal neue Konzentrationslager aufgebaut, darunter in Bergen-Belsen, Groß-Rosen, Stutthof, Natzweiler-Struthof und Auschwitz. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion zwangen die Nazis auch viele sowjetische Kriegsgefangene in die KZs. Die Häftlinge wurden u.a. für gefährliche Räum-, Spreng- und Bergungsarbeiten in bombardierten, teilzerstörten Stadtteilen eingesetzt; andere mussten in Lager-Werkstätten oder in Steinbrüchen arbeiten.

Mit der Ausrufung des „Totalen Krieges“ im Februar 1943 forcierte das Rüstungsministerium unter Albert Speer die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen. Jetzt wurden auch Tausende zivile ausländische Zwangsarbeiter in KZs verschleppt. Im Sommer 1944 arbeiteten etwa 500.000 KZ-Häftlinge für die deutsche Rüstungsindustrie und auf kriegsrelevanten Baustellen, die Mehrheit in den über 1.000 KZ-Außenlagern. Diese Außenlager waren öffentlich sicht- und wahrnehmbar. Ähnlich wie die Lager der zivilen Zwangsarbeiter in der privaten Wirtschaft wurden auch hier viele Deutsche Zeugen der Ausbeutung durch die SS und ihre Helfer.

Unter den insgesamt 20 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern hatten die KZ-Häftlinge unter besonders schweren Arbeits- und Lebensbedingungen zu leiden. Allein 20.000 Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora haben die Sklavenarbeit in unterirdischen Produktionsstätten nicht überlebt.

Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter

Kriegsgefangene bilden neben zivilen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen eine dritte große Gruppe der insgesamt etwa 20 Millionen Zwangsarbeiter unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Kriegsgefangene unterlagen formal dem Schutz der Genfer Konvention und durften nicht zur Arbeit herangezogen werden. Ab Winter 1941 setzte sich der NS-Staat über diese internationalen Regeln hinweg und zwang insbesondere die noch lebenden kriegsgefangenen Soldaten der Roten Armee zu körperlich besonders schwerer Arbeit.

Nachdem gefangene Soldaten zwangsweise in den Status von Zivilisten überführt worden waren, setzten die Deutschen sie auch in der Rüstungsindustrie ein.

Die insgesamt 4,6 Millionen Kriegsgefangenen einschließlich der italienischen Militärinternierten, die zur Arbeit gezwungen worden waren, erhielten keinen Anspruch auf Entschädigung durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

KZ-Häftlinge

Zwangsarbeiter unterteilt man heute in der wissenschaftlichen Diskussion und in der Entschädigungspolitik meist in drei große Gruppen: Zivilarbeiter bzw. zivile Zwangsarbeiter (von Älteren oft immer noch „Fremdarbeiter“ genannt), Kriegsgefangene bzw. kriegsgefangene Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge.

Nach neuesten Schätzungen waren es insgesamt etwa 20 Millionen Menschen, die zwischen 1939 und 1945 für das nationalsozialistische Deutschland im Deutschen Reich (ca. 13 Millionen) und in den deutsch besetzten oder kontrollierten Gebieten (ca. 7 Millionen) Zwangsarbeit leisten mussten. Etwa 1,7 Millionen Zwangsarbeiter arbeiteten als Häftlinge in Konzentrationslagern und in Arbeitserziehungslagern. In diesen geschlossenen Lagern waren sie der besonderen Willkür von Gestapo und SS unterworfen. Diese extreme Form der Ausbeutung und Entrechtung wurde in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen 1945 als slave labor bezeichnet. Im Deutschen nennt man diese Zwangsarbeiter darum oft auch Arbeitssklaven.

Zur Gruppe der Häftlings-Zwangsarbeiter zählt man heute auch die Juden, Sinti und Roma in Ghettos sowie die Häftlinge, die in speziellen Arbeitslagern für Juden und so genannte Mischlinge gefangen gehalten wurden. Einstige Zwangsarbeiter, die in KZs oder unter KZ-ähnlichen Haftbedingungen arbeiten mussten, erhielten bei der Stiftung EVZ Ansprüche auf höhere Zahlungen (bis zu 7.670 Euro) als die „gewöhnlichen“ Zivilarbeiter (bis zu 2.560 Euro) (Zahlungen der Stiftung EVZ).

NKWD

NKWD ist die Abkürzung für das russische ´Narodny Kommissariat Wnutrennich Del´, das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten. Das NKWD ist aus geheimdienstlichen Organisationen der Revolutionszeit 1917 und der politischen Polizeiverwaltung (GPU), hervorgegangen.

Das NKWD arbeitete zwischen 1934 bis 1946 als übergeordnete Staatssicherheitsbehörde und hatte maßgeblichen Anteil am stalinistischen Terror. Unter anderem verantwortete das NKWD die stalinistischen „Filtrierungslager“, in denen befreite sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene vor ihrer Repatriierung von Geheimdienstmitarbeitern verhört wurden. Die in Deutschland Befreiten fielen unter den Generalverdacht der Kollaboration mit den Deutschen. Viele der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren als vermeintliche Verräter stigmatisiert, wurden in der sowjetischen Gesellschaft benachteiligt und schwiegen aus Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung jahrzehntelang über ihr Schicksal.

Nürnberger Gesetze

Am 15. September 1935 beschloss der Reichsparteitag in Nürnberg die „Nürnberger Gesetze“, darunter das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. Mit diesen Gesetzen wurde die rassistische und antisemitische Weltanschauung und Praxis der Nationalsozialisten juristisch fixiert und „normalisiert“. In der Folge verschärfte sich die massive Ausgrenzung deutscher Juden aus dem gesellschaftlichen Leben. Juden durften keine Reichsbürger mehr sein. Sie verloren ihr politisches Stimmrecht, wurden aus ihren öffentlichen Ämtern entlassen. Juden durften mit Nicht-Juden keine sexuellen Beziehungen haben oder sich verheiraten.

Mit den Nürnberger Gesetzen verschärfte sich 1935 die alltägliche Verfolgung und Ausgrenzung der 760.000 deutschen Juden, die noch im Deutschen Reich lebten. Mit der „Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 14. November 1935 legten die Nationalsozialisten fest, welche Personen als Juden zu betrachten und wie sie entsprechend den Nürnberger Gesetzen behandelt werden sollten.

Menschen mit mindestens drei jüdischen Großeltern galten als „(Voll-)Juden“. Menschen mit einem jüdischen Elternteil oder zwei jüdischen Großeltern bezeichnete man als „Mischlinge ersten Grades“ („Halbjude“). Personen mit einem jüdischen Großelternteil galten als „Mischlinge zweiten Grades“ („Vierteljuden“). „Halbjuden“ und „Vierteljuden“ nannte man auch „jüdische Mischlinge“.

Die Volkszählung von 1939 im Deutschen Reich erfasste etwa 112.500 Menschen als „jüdische Mischlinge ersten oder zweiten Grades“. Mehr als 330.500 Menschen galten als Juden. Die meisten Jüdinnen und Juden, die bis Kriegsbeginn 1939 nicht mehr emigrieren oder sich verstecken konnten, wurden umgebracht.

Organisation Todt (OT)

Die Organisation Todt (OT) war eine militärisch organisierte Bautruppe, die 1938 auf Befehl Adolf Hitlers gegründet wurde. Sie war nach ihrem ersten Leiter, dem Bauingenieur und Nationalsozialisten Fritz Todt benannt. Ende 1944 mussten über 1,3 Millionen zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge für die OT arbeiten.

Die Arbeiter der OT haben u.a. den „Westwall“ sowie ab 1942 den „Atlantikwall“ ausgebaut. Seit 1942 griff die OT zunehmend auf Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene zurück. Ab Sommer 1943 wurden der Ausbau der städtischen Luftschutzanlagen vorangetrieben sowie kriegswichtige Industriebetriebe in unterirdische Anlagen verlegt. Besonders diese Arbeit auf den Baustellen war oft von großer Brutalität nach dem Prinzip „Vernichtung durch Arbeit“ geprägt. Nach wenigen Monaten waren die meisten Arbeiter zu Tode erschöpft.

Mit der „Mischlingsaktion“ vom 19. September 1944 wurden ca. 15.000 „jüdische Mischlinge“ aus dem Deutschen Reich zwangsrekrutiert und in spezielle OT-Lager zur Zwangsarbeit deportiert.

Ostarbeiter-Erlasse

Am 20. Februar 1942 erließ das Reichssicherheitshauptamt die so genannten Ostarbeiter-Erlasse. Als Verschärfung der Polen-Erlasse vom März 1940 forderten und erlaubten die Ostarbeiter-Erlasse für zivile Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion eine extreme Entrechtung und Unterdrückung. „Ostarbeiter“ sollten wie Sklaven behandelt werden. Sie wurden mit einem „OST“-Abzeichen an der Kleidung markiert, wurden schlechter als andere Zwangsarbeiter ernährt und in bewachten Lagern untergebracht. Sie wurden schlechter bezahlt als andere Zwangsarbeiter und ihrer Rentenanteile beraubt. Sexuelle Beziehungen mit deutschen Frauen wurden mit öffentlicher Hinrichtung bestraft, die deutschen Frauen öffentlich gedemütigt und aus der Volksgemeinschaft verstoßen. Die rassische Trennung dieser „Fremdvölkischen“ von den Deutschen sowie anderen Ausländern sollte im Alltag strikt eingehalten werden.

Mit den Erlassen wurde eine erbarmungslose Apartheidspolitik legitimiert, die bei kleinsten Regelwidrigkeiten besondere Gewaltanwendung erlaubte. In den allgemeinen Bestimmungen hieß es: „Für die gesamte Behandlung dieser Arbeitskräfte (aus der Sowjetunion) ist ausschlaggebend, daß sie jahrzehntelang unter bolschewistischer Herrschaft gestanden und systematisch zu Feinden des nationalsozialistischen Deutschlands und der europäischen Kultur erzogen worden sind.“

Hintergrund für die Erlasse sind Konflikte und Widersprüche in der nationalsozialistischen Führungsebene. Denn dass „slawische Untermenschen“ ab 1942 massenhaft ins Deutsche Reich geholt werden sollten, um den Arbeitskräftemangel in der deutschen Kriegswirtschaft auszugleichen, verstanden überzeugte Nationalsozialisten nicht. Die Wehrmacht hatte doch bereits Millionen sowjetischer Soldaten in deutschen Kriegsgefangenenlagern durch Hunger und Seuchen sterben lassen, ohne dass man ihre Arbeitskraft hatte ausbeuten wollen. Mit den Erlassen vom 20. Februar 1942 für die „Ostarbeiter“ versuchte der NS-Staat diese Widersprüche zu glätten. Aus den Slawen sollten im Krieg Arbeitssklaven „für den Endsieg“ gemacht werden.

Als Folge der Ostarbeiter-Erlasse lebten „Ostarbeiter“, die in der Industrie oder im Bergbau arbeiteten, meist in bewachten Lagern oder in Unterkünften, in denen sie von Zwangsarbeitern aus anderen Ländern isoliert blieben. Auf dem Land mussten vielen in Ställen übernachten. Oft waren ihre Baracken extrem überbelegt. Besonders schlechte und unzureichende Verpflegung, mangelnde Waschgelegenheiten und geringer Lohn machten die Lebensverhältnisse für „Ostarbeiter“ besonders zur Qual.

Gespräche mit Deutschen waren „Ostarbeitern“ streng verboten. Männer aus der Sowjetunion wurden öffentlich gehängt, wenn sie eine sexuelle Beziehung mit einer Deutschen eingegangen waren; die Frauen wurden öffentlich gedemütigt. Diese Regeln waren übrigens schon für polnische Zwangsarbeiter in den Polen-Erlassen formuliert worden.

1944 lebten mehr als 2,7 Millionen deportierte Arbeitskräfte „aus altsowjetischem Gebiet“ in deutschen Städten und Gemeinden. Die Hälfte davon waren meist sehr junge Frauen. Wegen der erschwerten Bedingungen durch den Kriegsverlauf und die Bombardierungen deutscher Städte, ließen sich etliche der rassistischen Anordnungen längst nicht mehr wortgetreu durchsetzen. Zudem protestierten deutsche Unternehmen und Verwaltungen gegen die extrem harten Bestimmungen der Ostarbeiter-Erlasse, denn damit konnte kaum ein Mensch arbeitsfähig gehalten werden.

Zugunsten besserer Arbeitsmotivation machte der NS-Staat Zugeständnisse; die Lager mussten nicht mehr bewacht werden, Unternehmer durften Leistungsanreize anbieten. Sie nutzten Brot und Lohn als Motivation und lockerten etliche der 1942 eingeführten Bestimmungen. Besonders fleißige Arbeiter wurden privilegiert. Gleichwohl blieben „Ostarbeiter“ neben den jüdischen Zwangsarbeitern die am meisten entrechtete und rassisch diskriminierte Gruppe im „ausländischen Arbeitseinsatz“.

Besonders auffällig sind die Unterschiede gegenüber den Regeln, die für Zwangsarbeiter aus Ländern des besetzten Westeuropas stammten. Während westeuropäische Zivilarbeiter offiziell ins Kino oder Theater gehen oder Gaststätten und Sportveranstaltungen und Gottesdienste besuchen durften, konnten „Ostarbeiter“ und Polen bestenfalls heimlich Kulturveranstaltungen erleben.

Berichte von Zwangsarbeitern zeigen, wie stark Willkür und Gewalt, aber auch Freiräume und Zugeständnisse von Betriebsleitern und anderen Aufsichtspersonen abhängig waren.

Polen-Erlasse

Das Reichssicherheitshauptamt gab am 8. März 1940 die so genannten Polen-Erlasse heraus. Mit diesen zehn Verordnungen wurden Zwangsarbeiter aus Polen rassistischen Vorschriften unterworfen. Sie verschärften das ungleiche Verhältnis sowohl zwischen Deutschen und Polen als auch zwischen polnischen und westeuropäischen Zwangsarbeitern. Mit den Polen-Erlassen begann eine explizit rassistische Phase der Zwangsarbeiterpolitik im Nationalsozialismus, die 1942 mit den Ostarbeiter-Erlassen für sowjetische Zwangsarbeiter weiter verschärft wurde.

Gemäß den Polen-Erlassen mussten polnische Zivilarbeiter in Lagern wohnen, in jedem Fall getrennt von deutschen Arbeitern. Vom Lohn, der an deutschen Tarifen orientiert war, wurden 15 Prozent als „Sozialausgleichsabgabe“ an den Staat abgeführt. Ausfälle wegen Krankheit wurden nicht entlohnt. Eine Markierung mit einem „P“ an der Kleidung machte polnische „Fremdarbeiter“ in der Öffentlichkeit permanent sicht- und angreifbar. Sie durften bestimmte Verkehrsmittel nicht benutzen sowie viele öffentliche Einrichtungen wie Badeanstalten, Kinos und Theater nicht besuchen. Arbeitsvergehen oder vermeintliche „Bummelei“ wurden hart bestraft, es drohte die Einweisung in Arbeitserziehungslager, später auch in Konzentrationslager. Sexuelle Beziehungen polnischer Männer mit deutschen Frauen wurden mit öffentlicher Hinrichtung der Männer bestraft, den deutschen Partnerinnen drohte öffentliche Diffamierung.

Wie entstand dieses drastische Maßnahmepaket gegen die polnischen Arbeiter?
Seit Kriegsbeginn am 1. September 1939 fehlten wegen der Mobilmachung viele männliche Arbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft und Industrie. Bereits im Oktober wurden polnische Kriegsgefangene zur Arbeit in Deutschland eingesetzt. Allerdings widersprach eine solche Beschäftigung von Ausländern in der Landwirtschaft den rassistischen Grundsätzen der Nationalsozialisten. Der deutsche Boden sollte eigentlich nur von „Deutschstämmigen“ bewirtschaftet werden, nicht von „Fremdvölkischen“ bzw. „Gemeinschaftsfremden“. Auch die Arbeit von Frauen wollten die Rassetheoretiker verhindern. Aber die Stabilisierung der gefährdeten Kriegswirtschaft erhielt schließlich Vorrang vor solchen ideologischen Motiven. Denn ohne „Ausländereinsatz“ drohte die landwirtschaftliche Produktion zusammenzubrechen. Die Polen-Erlasse sollten solche Diskrepanzen zwischen Rassen-Ideologie und pragmatischer Arbeitskräftegewinnung glätten, indem sie einerseits Polen zur Arbeit motivieren und gleichzeitig klar machen sollten, dass die Deutschen als „Herrenmenschen“ gegenüber dem „Polentum“ auftraten.

Ab Herbst 1939 wurden vor allem arbeitslose Polen zur Arbeit nach Deutschland angeworben. Anfang 1940 sollten jedoch bereits eine Millionen polnischer Frauen und Männer zur Arbeit im Deutschen Reich verpflichtet werden. Herkömmliche Rekrutierungsmethoden griffen dafür nicht mehr. Nachdem sich die meisten Polen den deutschen Werbern zu entziehen versuchten, wurden sie unter Zwang nach Deutschland gebracht. Polnische Kriegsgefangene wurden in den Status von Zivilarbeitern überführt und nach Deutschland verschleppt.

Protektorat Böhmen und Mähren

Im März 1939 besetzte Deutschland die Gebiete der Tschechoslowakei, die nicht bereits am 30. September 1938 an das Großdeutsche Reich „angeschlossen“ worden waren. Aus der „Rest-Tschechei“ wurde das Protektorat Böhmen und Mähren gebildet, ein neues nationalsozialistisches Verwaltungsgebiet, in dem etwa 7,5 Millionen Menschen lebten.

Die Industriestandorte im „Protektorat Böhmen und Mähren“ lagen lange Zeit außerhalb der Reichweite alliierter Bomberverbände und wurden von den Deutschen auch mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern brutal ausgebeutet. Im Juni 1942 forderte der „Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz“, Fritz Sauckel, 100.000 Tschechen für die deutsche Kriegswirtschaft an. Um diese Forderung zu erfüllen, wurden die gesamten Jahrgänge 1921 und 1922 zwangsverpflichtet, später ergänzt um Ältere aus den Jahrgängen 1918 bis 1920 sowie den Jahrgang 1924. Die internationale Anerkennung der tschechischen Zwangsarbeiter war bis in die 1990er Jahre umstritten, obwohl viele von ihnen unter sehr harten Bedingungen Arbeit für die Deutschen leisten mussten.

Reichssicherheitshauptamt (RSHA)

Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) wurde 1939 durch den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler geschaffen. Als zentrale deutsche Polizeibehörde fasste es die Sicherheitspolizei (Geheime Staatspolizei und Kriminalpolizei) und den Sicherheitsdienst (SD) zusammen.

Das RSHA war eines von insgesamt zwölf SS-Hauptämtern. Es erhielt „sicherheitspolitische“ Aufgaben und war für die „politische Gegnerbekämpfung“ verantwortlich. Im RSHA planten und organisierten etwa 3.000 Mitarbeiter den Mord an den europäischen Juden, den Sinti und Roma und weitere Massaker in den nationalsozialistischen Vernichtungskriegen. Die Männer im RSHA, darunter viele promovierte Juristen und Akademiker, verfassten die rassistischen Erlasse und Anordnungen, die das Leben und den Alltag von Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern drastisch verschlechterten, darunter die Polen-Erlasse und die Ostarbeiter-Erlasse.

SS

Die Schutzstaffel (SS) wurde 1925 zum persönlichen Schutz von NSDAP-Führer Adolf Hitler gegründet. Seit 1929 leitete Heinrich Himmler diese Truppe als „Reichsführer SS“. Er sah in der SS einen Elite- und Kampforden. 1933 bildete er SS-Wachverbände, die späteren SS-Totenkopfverbände, die die Bewachung der Konzentrationslager übernahmen.

Im Juni 1936 wurde Himmler zum Chef der Deutschen Polizei ernannt und forcierte eine radikal völkisch-rassistische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Die SS verwaltete in der Nähe der KZs eigene Industriebetriebe und Werkstätten, die Häftlinge dienten als Zwangsarbeiter. Im März 1942 wurde aus mehreren Verwaltungen das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) gebildet, das u.a. die Zwangsarbeit in den SS-eigenen Unternehmen und KZs organisierte und steuerte.

Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

Am 17. Juli 2000 wurde in Berlin das Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ unterzeichnet. Hierin versicherte US-Präsident Clinton, dass er die von den Unternehmern gefürchteten Sammelklagen von Opfervertretern in den USA nicht zulassen werde. Diese Rechtsfriedens-Garantie war für viele deutsche Unternehmer die Voraussetzung, die Stiftungsinitiative der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder tatsächlich mit Geldzahlungen zu unterstützen. Insgesamt wurden 10,1 Milliarden DM eingezahlt, je zur Hälfte von den Unternehmen und vom deutschen Staat. 8,7 Milliarden DM bzw. 4,45 Milliarden Euro standen für die humanitären Zahlungen zur Verfügung. Mit diesen Geldzahlungen war keine rechtliche Verpflichtung anerkannt. Bald darauf, am 2. August 2000, verabschiedete der Bundestag das Gesetz zur Gründung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

Das Gesetz sah individuelle humanitäre Zahlungen an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter vor. Ziel war es, die verfügbaren 4,45 Milliarden Euro so gerecht wie möglich an die noch lebenden Zwangsarbeiter zu verteilen. Bis zum Abschluss der humanitären Zahlungen im Jahr 2007 wurden 1,7 Millionen ehemaligen Zwangsarbeitern Beträge von bis zu 7.670 Euro überwiesen.

358 Millionen Euro des Stiftungsvermögens sind in Form einer Kapitalstiftung für Projektförderung bestimmt. Aus den Erträgen von jährlich rund acht Millionen Euro unterstützt die Stiftung EVZ vorrangig internationale Programme und Projekte in den Förderbereichen „Auseinandersetzung mit der Geschichte“, „Handeln für Menschenrechte“ und „Engagement für die Opfer des Nationalsozialismus“. Auch die Entwicklung dieser digitalen Lehr- und Lernplattform „Mit Stempel und Unterschrift“ hat die Stiftung finanziert.

Vernichtungslager

Als Vernichtungslager werden die großen Zentren des industriell organisierten Massenmordes an den europäischen Juden sowie den Sinti und Roma bezeichnet, in denen zwischen Herbst 1941 und November 1944 insgesamt etwa 3 Millionen Menschen getötet wurden.

In Chełmno (Kulmhof), Bełżec, Sobibór und Treblinka wurden die Deportierten sofort nach ihrer Ankunft durch Giftgase umgebracht. Dort gab es gar keine Barackenlager, der Aufenthalt der Deportierten diente nur ihrer Tötung. In den Konzentrations- und Vernichtungslagern Majdanek und Auschwitz-Birkenau vollzog die SS noch „Selektionen“ unter den Deportierten. Die dabei als „arbeitsfähig“ Eingestuften wurden zu kräftezehrender Zwangsarbeit in KZ-Betrieben und Außenkommandos eingesetzt, die anderen, „arbeitsunfähigen“ Männer, Frauen und Kinder sofort nach den Selektionen in den Gaskammern durch das Giftgas Zyklon B erstickt.

Einige der KZ-Häftlinge musste in „Sonderkommandos“ die verwertbaren Hinterlassenschaften der Ermordeten (Kleidung, Schuhe, Brillen, Haare, Goldzähne, Wertsachen) sammeln und für weitere Verwendung in der Kriegswirtschaft sortieren. Ab Februar 1943 und mit der sich abzeichnenden Kriegsniederlage wurden die Spuren der Vernichtungspraxis auf Befehl von Heinrich Himmler beseitigt, die Lager evakuiert und die Tötungsanlagen (Gaskammern und Krematorien) gesprengt. In der Gedenkstätte Auschwitz sind die Überreste der Gaskammern bis heute bewahrt. Der Name Auschwitz hat sich als Synonym für den Massenmord in den sechs großen Vernichtungszentren etabliert.

Volksdeutsche

Mit dem Begriff „Volksdeutscher“ definierten die nationalsozialistischen Ideologen – in Abgrenzung zu „Reichsdeutschen“ – pauschal alle jene Menschen, die außerhalb des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 („Altreich“) und außerhalb Österreichs lebten und die nicht nur nach ihrem Selbstverständnis, sondern auch nach den Kriterien von Rasseforschern als Deutsche gelten.

Ziel war es, „deutsche“ Bevölkerungsteile aus den annektierten Gebieten vor allem in Ost- und Südosteuropa in die „deutsche Volksgemeinschaft“ zu integrieren. Nur „deutsches und artverwandtes Blut“ sollte zugelassen, „Fremdrassige“ sollten hingegen vom „deutschen Volkskörper“ fern gehalten werden. Nicht ein staatsbürgerliches Bekenntnis zur Verfassung entschied also – wie etwa im republikanischen Frankreich – über die Zugehörigkeit, sondern blutsverwandtschaftliche Herkunft, Muttersprache, Kulturbekenntnis. Deutsche Juden konnten nach dieser auf Rassen fixierten Weltanschauung grundsätzlich nicht zur deutschen Volksgemeinschaft gehören.

Zahlungen der Stiftung EVZ

Die humanitären Zahlungen der EVZ konnten Unrecht und Leid nicht wieder gut machen – dieser Tatsache waren sich die Beteiligten durchaus bewusst. Für die meisten der einst 20 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kamen die symbolische Geste und die materielle Anerkennung ohnehin zu spät. Neun Zehntel derjenigen, die die Zwangsarbeit überlebt hatten, waren zum Beginn der Entschädigungszahlungen bereits gestorben.

Um ihr individuelles Verfolgungsschicksal so gut wie möglich einschätzen zu können, wurden alle Antragssteller gebeten, ihre Zwangsarbeit mit amtlichen Dokumenten nachzuweisen: mit Arbeitskarten, Arbeitsbüchern, Werksausweisen und vielen anderen Ausweisformularen aus der Zeit des „Dritten Reiches“.

Wer keine Dokumente vorlegen konnte, musste ihr oder sein Schicksal auf andere Weise glaubhaft machen: mit amtlich bestätigten Zeugenaussagen, mit überprüfbaren Detailkenntnissen über Ort und Zeit der Zwangsarbeit, mit geeigneten Fotos, Postkarten oder ähnlichen persönlichen Dokumenten aus der Zeit der Zwangsarbeit. Diese Forderungen waren auch deswegen notwendig, weil für die Höhe der Zahlungen verbindliche Kriterien galten. Sie waren nach langen internationalen Diskussionen mit Experten und Opferverbänden vom deutschen Gesetzgeber beschlossen worden.

Die Dauer der Zwangsarbeit wurde dabei nicht berücksichtigt. Damit verbundene komplizierte Berechnungen hätten das Verfahren in die Länge gezogen – angesichts des oft hohen Alters der ehemaligen Zwangsarbeiter unzumutbar lange. Die Zahlungen sollten ja das erlittene, rassistisch motivierte Unrecht der Zwangsarbeit prinzipiell anerkennen. Dieses Unrecht lässt sich nicht an der individuellen Zeitdauer der Zwangsarbeit festmachen.

Die Opferverbände plädierten dafür, dass für die einmaligen Pauschalzahlungen die „Schwere des Schicksals“ entscheidend sein sollte. Die Stiftung wollte vor allem solche Zwangsarbeiter entschädigen, die „unter besonders schweren Lebensbedingungen“ zu leiden hatten. Das betraf überwiegend Zwangsarbeiter aus Osteuropa, die aufgrund von Rasse-Gesetzen diskriminiert und misshandelt und bei geringsten Vergehen mit KZ-Haft oder Tod bedroht worden waren.

Die Kategorien der Entschädigung
Für die Höhe der einmaligen Pauschalzahlungen sollten drei Kriterien gelten:

  • der Haftort und die entsprechenden Haftbedingungen
  • die Schwere der Zwangsarbeit und
  • der Tatbestand der Deportation.

Auf dieser Grundlage wurden zwei Hauptgruppen unterschieden: Kategorie A für „Sklavenarbeiter“ in Konzentrationslagern und Ghettos und für Zwangsarbeiter in vergleichbaren Haftstätten. Kategorie B für ins Reich deportierte Zwangsarbeiter bei öffentlichen und industriellen Arbeitgebern.

Antragsteller, die in die Kategorie A eingestuft wurden, erhielten Zahlungen von 7.670 Euro. Für die ehemaligen Zwangsarbeiter in mit KZs vergleichbaren Haftstätten galten Beträge zwischen 2.560 und 7.670 Euro, gestaffelt je nach Schwere der Haftbedingungen.

Für Antragsteller, die zur Kategorie B gezählt wurden, konnten humanitäre Zahlungen bis zu 2.560 Euro gezahlt werden.

In weiteren Verhandlungen wurden eine Kategorie C geschaffen. Mit dieser „Öffnungsklausel“ erlaubte der deutsche Gesetzgeber den Partnerorganisationen, auch den bislang nicht berücksichtigten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der Landwirtschaft Geld zu zahlen.

Voraussetzung für solche Zahlungen war, dass die betreffenden Personen entweder Zwangsarbeit geleistet hatten, in Haft genommen oder deportiert worden waren. Zahlungen konnten allerdings nur dann geleistet werden, wenn die vorrangige Auszahlung an die Leistungsberechtigten der Kategorien A und B noch genügend Geld in den nationalen Etats („Plafonds“) hinterlassen hatte.

Mit der „Öffnungsklausel“ wurden noch Tausende ehemalige Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft berücksichtigt; darüber hinaus auch solche, die in ihrem Heimatland eingesetzt und verfolgt wurden, also nicht deportiert worden waren. Meistens konnten nur relativ geringe Beträge gezahlt werden.

Wen schloss das Stiftungsgesetz aus?
Mit den oben genannten Regeln blieben viele der noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter von Zahlungen prinzipiell ausgeschlossen.

Das Schicksal derjenigen Kriegsgefangenen, die weder im KZ gewesen noch als Zivilarbeiter eingesetzt worden waren, fiel unter das Kriegsvölkerrecht. Dafür sah sich die Stiftung nicht zuständig, sie kümmerte sich ausschließlich um so genannte zivilrechtliche Schäden der Zwangsarbeit im NS. Auf diese Weise blieben Millionen sowjetische Kriegsgefangene, die als Zwangsarbeiter oft unter besonders harten Bedingungen leiden mussten und auch nach ihrer Rückkehr in die UdSSR häufig politisch verfolgt und ausgegrenzt wurden, von einer Entschädigung durch die EVZ ausgeschlossen.

Auch die italienischen Militärinternierten blieben vom Stiftungsgesetz ausgeschlossen, weil sie nach Gutachten von Rechtsexperten als Kriegsgefangene bewertet wurden, nicht als Zivilisten, obwohl die Nationalsozialisten sie als Zivilisten zur Arbeit gezwungen hatten. Klagen der italienischen Veteranenorganisation gegen diese Entscheidung sind gescheitert.

Vom Stiftungsgesetz ausgeschlossen blieben auch solche Zwangsarbeiter aus Westeuropa, die nicht in KZs, Ghettos oder anderen Lagern inhaftiert worden waren. Sie hatten nach Einschätzungen von Experten in der Regel nicht „unter besonders schweren Lebensbedingungen“ zu leiden, entsprachen also nicht dem Förderschwerpunkt der Stiftung EVZ.

Zivilarbeiter

Mit mehr als 8,4 Millionen Menschen bildeten die Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter (neben den Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen) die größte Gruppe der insgesamt etwa 20 Millionen Zwangsarbeiter unter nationalsozialistischer Herrschaft. Fast die Hälfte der Zivilarbeiter wurde in der Landwirtschaft beschäftigt.

Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse dieser Gruppe waren sehr stark von der nationalen Herkunft der Arbeiter abhängig; ihre Behandlung folgte rassistischen Prinzipien, die u.a. die Polen-Erlasse und die Ostarbeiter-Erlasse regelten. Von den Deutschen wurde diese Gruppe „Fremdarbeiter“ genannt. Noch bis weit in die 1980er Jahren hinein galt „Fremdarbeit“ als normale Kriegsbegleiterscheinung und wurde nicht als Unrecht anerkannt. Entschädigungsforderungen wurden auch vom bundesdeutschen Staat abgelehnt.

Bei den humanitären Zahlungen der Stiftung EVZ wurden zivile Zwangsarbeiter in der Industrie, im Baugewerbe und anderen Branchen nur mit bis zu 2.560 Euro berücksichtigt. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft konnten durch eine Sonderreglung (Öffnungsklausel) unterstützt werden – mit Beträgen oft weit unter 2.560 Euro.

Zwangsarbeit

Mit dem Begriff Zwangsarbeit wird umgangssprachlich eine Arbeit bezeichnet, die Menschen gegen ihren Willen und unter Androhung einer Strafe ausführen. Zwangsarbeit ist Teil politischer, sozialer, rassischer, sexueller und religiöser Entrechtung, Ausbeutung und Diskriminierung und eine Form der Freiheitsberaubung. Im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert wurde Zwangsarbeit vor allem in den Kolonien und während des Ersten Weltkriegs massenhaft praktiziert.

Die nationalsozialistische Gesellschaft und die deutschen Besatzungsregime zwangen insgesamt etwa 20 Millionen Menschen zur Arbeit. Die drei Hauptgruppen – ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und (KZ-)Häftlinge – waren dabei sehr verschiedenen Arbeits- und Lebensbedingungen unterworfen. Das Maß der angewandten oder angedrohten Gewalt war dabei ebenfalls sehr unterschiedlich und hing oft von rasseideologischen Kriterien ab. Der Kriegsverlauf und der zunehmende Bedarf an Arbeitskräften in der Kriegswirtschaft führten dazu, dass auch angeworbene Zivilarbeiter vor allem aus Westeuropa nicht mehr legal in ihre Heimat zurückkehren durften.

Zwangsarbeit wurde in der Konvention zum Schutz der Menschenrechte verboten. Auch das deutsche Grundgesetz verbietet Zwangsarbeit grundsätzlich, mit Ausnahme von Arbeitszwang bei gerichtlich sanktioniertem Freiheitsentzug. Die gesellschaftliche Aufarbeitung der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus ist trotz solcher internationalen und nationalen rechtlichen Fortschritte nur sehr zögerlich erfolgt.

Nachdem die Zwangsarbeit als gesellschaftliches Verbrechen fast vier Jahrzehnte lang verschwiegen und Mitschuld und Verantwortung geleugnet worden waren, begannen in den 1970er Jahren einstige Zwangsarbeiter und zivilgesellschaftliche Initiativen, die Geschichte der Zwangsarbeit in Deutschland in Erinnerung zu rufen. Seit den 1980er Jahren widmeten sich Historiker systematisch der bis dahin nicht erforschten NS-Zwangsarbeit. Es dauerte noch weitere zwanzig Jahre, bis im Jahr 2000, nach internationalem Druck und zähen Verhandlungen, deutsche Unternehmer und der deutsche Staat je zur Hälfte insgesamt 10,1 Milliarden DM Kapital für die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ einzahlten. 8,7 Milliarden DM bzw. 4,45 Milliarden Euro standen ab dem Jahr 2001 für humanitäre Zahlungen an die noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiter zur Verfügung.

Es wurde nur eine eingeschränkte Gerechtigkeit erreicht, denn das Stiftungsgesetz schloss wichtige Opfergruppen aus, vor allem die sowjetischen Kriegsgefangenen und die italienischen Militärinternierten.